Weil KI den Code schreibt: Warum unternehmerisches Denken für Einsteiger wichtiger wird

Veröffentlicht am 31.10.2026

Das klassische Bewerbungstest ist vorbei

Felix Rieseberg leitet bei Anthropic, einem Unternehmen, das KI-Programme entwickelt, die Entwicklung von Claude.ai und Claude Code Desktop. Er hat das klassische Coding-Interview abgeschafft. Dabei müssen Bewerber in der Regel kleine Programmieraufgaben lösen. Sein Grund: KI kann diese Aufgaben inzwischen besser lösen als die meisten Menschen. Deshalb sagt Rieseberg, dass es keinen Sinn mehr habe, Kandidaten solche Aufgaben zu stellen.

Die erfolgreichsten Entwickler in seinen Teams hätten übrigens nicht besonders gute Testergebnisse gehabt. Stattdessen überholen oft neuere Mitarbeiter erfahrene Kollegen. Seine Kurzformel dafür lautet: "Hunger beats tenure", also Hunger schlägt Betriebszugehörigkeit.

Frische Augen sehen mehr

Neulinge haben laut Rieseberg einen Vorteil. Sie bemerken Probleme, die langjährige Mitarbeiter längst für normal halten. Er erzählt von seiner Zeit beim Unternehmen Notion. Dort sollte er eine Offline-Lösung entwerfen, die intern als unmöglich galt. Niemand hatte den Chef gefragt, ob er sie überhaupt akzeptieren würde. Das technische Problem war echt, der angebliche Widerstand aber nicht.

Wenn Umsetzung billig wird, zählt die Hierarchie weniger

Früher waren Ideen teuer in der Umsetzung. Deshalb hatten wenige Entscheider die Macht, Vorschläge freizugeben oder zu stoppen. Neulinge mussten sich erst hocharbeiten. Mit KI ändert sich das, denn das Bauen kostet weniger. Das gilt auch für kleine Betriebe, wie in Verwaltung und Buchhaltung automatisieren beschrieben wird.

Ein Prototyp statt zehn Folien

Rieseberg rät, zuerst zu verstehen, welche Ziele das eigene Unternehmen und der eigene Chef verfolgen. Danach sollte man eine Idee wählen, die diese Ziele stark voranbringt. Einen funktionierenden Prototyp, also eine einfache erste Testversion, könne man an einem Wochenende bauen. Das umgeht den üblichen Weg über Anträge und Abstimmungen.

Wichtig ist dabei eine einzige gute Idee. Wer einen Prototyp mit zu vielen Teilen baut, scheitert. Der Prototyp soll zeigen, welche Chance besteht und wer sie umsetzen kann.

Empathie und Mut

Rieseberg unterscheidet zwei Bereiche. Wer an Produkten für Kunden arbeitet, kann sich als Neuling leicht in deren Lage versetzen. Wer an internen Werkzeugen arbeitet, profitiert davon, die alten Gründe für Grenzen nicht zu kennen.

Was Sie daraus mitnehmen können

Der Beitrag macht Mut, ist aber nicht ohne Haken. Die Messlatte verschiebt sich von Fleiß hin zu Produktverständnis und Urteilsvermögen. Diese Fähigkeiten lernt man selten in der Ausbildung. Und wer am Wochenende unaufgefordert Prototypen baut, braucht viel Energie. Für Einsteiger lohnt es sich, klein anzufangen: Welche Aufgabe im eigenen Betrieb kostet unnötig Zeit, und wie könnte eine einfache Lösung aussehen?

Quelle: https://the-decoder.de/weil-ki-den-code-schreibt-wird-bei-anthropic-unternehmerisches-denken-zur-wichtigsten-waehrung-fuer-einsteiger/