Wem gehört Anthropic nach dem Börsengang?
Veröffentlicht am 31.10.2026
Anthropic wurde 2021 gegründet. Das Ziel: Menschen sollen KI kontrollieren können und davon profitieren. Die Firma steht kurz vor dem Börsengang, also dem Schritt, bei dem Aktien an der Börse gehandelt werden. Dann kann jede Person Anteile kaufen. Wie viel Mitsprache solche Kleinaktionäre haben werden, zeigt ein Blick auf die Regeln des Unternehmens.
Ein Unternehmen mit Gemeinwohl-Auftrag
Anthropic ist eine sogenannte Public Benefit Company. Das ist ein Unternehmen, das Gewinn machen darf, sich aber gesetzlich auch einem öffentlichen Zweck verpflichten kann. Hier geht es um die Sicherheit von KI. Der Vorteil: Der Vorstand darf Entscheidungen treffen, die nicht nur den Gewinn im Blick haben, ohne dass wütende Geldgeber ihn sofort verklagen.
Vier Ebenen der Kontrolle
Der Vorstand: Ihm steht Daniela Amodei vor. Zu ihm gehören unter anderem ihr Bruder Dario Amodei, der Firmenchef, und Reed Hastings, Mitgründer von Netflix. Ein Platz ist derzeit frei.
Das Gremium LTBT: Die Abkürzung steht für Long-Term Benefit Trust, auf Deutsch etwa „langfristige Nutzen-Treuhand“. Es ist ein unabhängiges Gremium, das die Firma auf ihr Ziel verpflichten soll. Es besitzt eine besondere Aktienklasse, mit der es die Mehrheit im Vorstand wählen und abberufen kann. Geleitet wird es von Neil Shah. Zu den Mitgliedern gehört unter anderem der frühere Notenbankchef Ben Bernanke.
Die Gründer: Ihre besonderen Aktien geben einer Mehrheit von ihnen 50,1 Prozent der Stimmen. So können sie drei Vorstandsmitglieder wählen. Gibt es unter ihnen keine Mehrheit, zählen ihre Stimmen nur noch anteilig wie die normaler Aktionäre.
Die Belegschaft: Ernennt oder entlässt das Gremium LTBT ein bestimmtes Vorstandsmitglied ohne Grund, kann der Ausschuss des Vorstands das ablehnen. Dann entscheiden die Beschäftigten per Abstimmung.
Was heißt das für Kleinaktionäre?
Ehrlich gesagt: wenig Mitsprache. Die Gründer behalten zunächst die Kontrolle. Zehn Jahre nach dem Börsengang können sie selbst entscheiden, sie abzugeben. Endet ihre Kontrolle nicht schon vorher, dann spätestens, wenn weniger als drei von ihnen übrig sind. Das Gremium LTBT bleibt bestehen, bis 85 Prozent der gewöhnlichen Aktionäre sein Ende beschließen. Es kann auch aufhören, wenn es selbst zurücktritt und der Vorstand zustimmt.
Wie sich das im Alltag auswirkt, ist schwer vorherzusagen. Ein Beispiel aus der Branche zeigt, wie unberechenbar solche Konstruktionen sein können: Beim Konkurrenten OpenAI entließ der Vorstand den Chef Sam Altman kurz. Die Belegschaft hielt zu ihm, der Vorstand machte die Entscheidung rückgängig.
Was Sie daraus mitnehmen können
Wer Anteile an einem Unternehmen kaufen will, sollte nicht nur auf Zahlen schauen, sondern auch fragen: Wer entscheidet wirklich? Bei Anthropic liegt die Macht auf mehreren Ebenen, und die normalen Aktionäre stehen weit unten.
Wenn Sie wissen wollen, wie Technik dieser Firma bereits im Alltag auftaucht, lesen Sie auch KI-Agenten verhandeln für uns: Was dahintersteckt.
Quelle: https://techcrunch.com/2026/10/27/whos-really-in-charge-at-anthropic-after-the-ipo/