KI-Kameras in Berlin: Was jetzt auf dem Spiel steht
Veröffentlicht am 31.10.2026
Seit dem 6. Oktober läuft am Kottbusser Tor in Berlin eine Videoüberwachung mit einer Software, die als „KI“ bezeichnet wird. KI steht für künstliche Intelligenz, also Computerprogramme, die aus Daten Muster erkennen. Diese Software bewertet automatisch das Verhalten von Menschen, die gefilmt werden.
Was die Kameras tun
Der Kommentar auf netzpolitik.org kritisiert, dass Menschen, die sich im öffentlichen Raum auffällig oder einfach anders bewegen, vom System als verdächtig markiert werden können. Dann kann die Polizei aktiv werden, wenn die Software Alarm schlägt. Die Folge sei ein Druck, sich anzupassen. Dadurch gerate die Vielfalt im öffentlichen Leben in Gefahr.
Die im September abgewählte schwarz-rote Landesregierung wollte die Technik deutlich ausbauen. Für Kameras und Software sollten rund vier Millionen Euro an das Unternehmen Adesso gehen.
Wie es politisch weitergeht
Nach der Wahl verhandeln Linke, Grüne und SPD über eine neue Regierung. Solche Gespräche nennt man Koalitionsverhandlungen. Der Autor fordert, das Projekt komplett zu stoppen und die bestehenden Kameras wieder abzubauen. Die Verhandlungen können nach dem 31. Oktober beginnen.
Die SPD hat die Kameras selbst eingeführt. Linke und Grüne haben sich dagegen klar positioniert. Die Linke schreibt in ihrem Wahlprogramm, Straftaten würden durch die Kameras „nicht verhindert, sondern allenfalls verdrängt“. Zu den Kameras wurde in den Sondierungsgesprächen laut den Verhandlern noch nicht konkret gesprochen.
Warum Kritiker am Nutzen zweifeln
Der Kommentar argumentiert, dass solche Verhaltensscanner Straftaten kaum verhindern. Die Polizei sei oft zu spät am Ort des Geschehens. Bei Gewalt im Affekt oder bei Terroristen wirke auch die Abschreckung nicht. Rational handelnde Täter würden einfach in Nebenstraßen ausweichen.
Was daraus folgt
Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, bei KI-Systemen genau nachzufragen: Was wird gemessen, wer entscheidet über Folgen, und welche Rechtsgrundlage gibt es? Baden-Württemberg hat als erstes Bundesland beschlossen, KI-Kameras mit Live-Gesichtserkennung zu kombinieren. Wer sich für den Schutz persönlicher Daten interessiert, findet mehr Hintergrund im Beitrag Datenschutz und rechtliche Unsicherheiten beim KI-Einsatz.